Simone von Stockhausen-Taufenbach

Die in Mainz lebende Künstlerin Simone von Stockhausen-Taufenbach war zunächst nach ihrem Studium der Rechtswissenschaft in Bielefeld und Straßburg für mehrere europäische Fördereinrichtungen als leitende Justiziarin und Europa-Referentin in Bonn, Berlin, Brüssel und Mainz tätig. Im Jahr 2010 beschloss sie, den von ihr eingeschlagenen juristischen Weg zu verlassen, um sich vollumfänglich der bildenden Kunst zu widmen. Seitdem arbeitet Simone von Stockhausen-Taufenbach als freischaffende Künstlerin in Mainz.

Neben der Teilnahme an einer Vielzahl von Workshops und Seminaren bei Künstlern verschiedener Stilrichtungen, studiert sie seit 2012 freie bildende Kunst an der Kunstwerkstatt in Mainz und besucht die Akademie für bildende Künste an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz.

Ihr zentrales künstlerisches Thema ist die Auseinandersetzung mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft im Allgemeinen und in der Modewelt im Besonderen. Dabei beschäftigt sie sich in ihren Arbeiten häufig ich mit der Frage, welche Bedeutung Individualität und Menschlichkeit auf dem Laufsteg hat bzw. haben sollte. In technischer Hinsicht liegt der Schwerpunkt der Künstlerin im Bereich der Collage, die sie mit malerischen und zeichnerischen Elementen kombiniert. Mit gesammelten Materialien aus Zeitungen, Zeitschriften und Büchern sowie auch mit eigenen Fotografien und Texten schafft die Künstlerin vielschichtige Ebenen in ihren Arbeiten mittels derer der Betrachter in das Thema eingeführt werden soll.

Seit Anfang 2016 arbeitet die Künstlerin an einer neuen Bilderserie unter dem Titel „Mensch, Mode, Maschine“.

Wie hängen die Begriffe Mensch, Mode, Maschine zusammen?

Der Mensch definiert sich über seine Persönlichkeit, seine Individualität, seine Emotionalität, seine Fehler, seine Makel – seine Unperfektheit. Die Maschine hingegen zielt mit ihrem ganzen Wirken, mit dem Sinn ihrer Existenz auf das Gegenteil. Auf absolute Präzision und Perfektion konzipiert. In der Mode treffen die beiden Dinge aufeinander und überschneiden sich. Die Übergänge zwischen Maschinen –Schaufensterpuppen mit perfekten Proportionen, emotionslos, nie müde – und menschlichen Schaufensterpuppen - Models – verschwimmen. Das Model mit all seiner Persönlichkeit wird der Maschine gleichgesetzt. Es soll den vorgefertigten Idealen entsprechen, wie die Schaufensterpuppe. Gefühle, Geschichten hinter den Gesichtern zählen nicht. Das Model ist wie eine Puppe - anonym. Perfektioniert, und die letzten Fehler, das letzte Stück Persönlichkeit am Computer kaschiert. Und wenn die Fehler zu groß werden? Wenn die Individualität in Form des nicht perfekt Seins die Überhand gewinnt? Dann verschwinden die Gesichter von den Hochglanzbroschüren und werden ersetzt, ausgetauscht durch neue perfekte Gesichter und neue makellose Körper. Der Mensch wird zur Puppe degradiert, ausgetauscht und gerät in Vergessenheit. Diese Thematik greift die Künstlerin in ihrer neuen Bilderserie auf und geht noch einen Schritt weiter, indem sie fragt, warum es so ist, warum funktionieren wir Menschen so und wo sollte die Grenze sein. Der Drang, uns bis hin zur Perfektion zu verbessern, existiert seit langem und ist ein ureigener Trieb des Menschen. So wird durch unseren stetigen technischen Fortschritt alles möglich sein. Der „Maschinenmensch“ wird geschaffen, weiterentwickelt mit modernsten Technologien. Chirurgische Eingriffe sind möglich und werden immer besser. Menschenleben und Menschenkörper können durch Implantate gerettet werden, aber auch immer schöner gemacht werden, immer mehr Idealen angepasst werden. Und dann? Sehen wir dann das perfekte „Maschinen-Model“ auf den Laufstegen in Mailand, Paris und New York? Wo sollte die Grenze liegen?

Einige Werke dieser Reihe werden ebenfalls -neben anderen Arbeiten- in dieser Ausstellung zu sehen sein.

Weitere Informationen zur Künstlerin: www.atelier-vonstockhausen.de